Loxton hat mir unter dem Strich die Reisekasse wieder ein bisschen aufgefüllt und uns beide viele Erfahrungen beschert. Die größte war natürlich die Arbeit an sich. Weintrauben, Bohnen, Kürbisse, Trauben, Mais und Pfirsiche, man sieht die Liste, der Früchte die wir geerntet haben, ist lange. Genauso lang ist auch die Liste der Arbeitgeber, entsprechend müssen wir auch noch auf Teile unseres Geldes warten, aber es sieht gut aus. Am meisten verhasst war bei uns das Ernten der "normalen" Trauben, die in den Verkauf gehen sollten. Wir mussten sie mit Scheren schneiden und vorsichtig in die Kisten legen. Es wurde viel verlangt und miserabel bezahlt. Bei 35 Grad und unendlich vielen Fliegen (Für den zweiten Tag haben wir uns ein Fliegennetz gekauft) haben wir uns demotiviert durch die Reihen geerntet und haben es auf einen Stundenlohn von Sage und Schreibe 7$ gebracht. Natürlich haben wir da bei unseren Mitbewohnern nicht gut über den Job geredet. Das war auch der Grund, wieso Greg, der Kanadier, und zwei weitere aus dem Hostel geflogen sind und Joni frühzeitig seine Arbeit verloren hatte. Nachdem die Besitzer des Hostels erfahren hatten, dass das Gerücht kursiert, es handle sich um einen schlechten Job und Joni und eine Französin zu den Hauptverdächtigen wurden, bekamen die beiden "frei". Greg sollte am nächsten Tag dort arbeiten, beschwerte sich bei den Besitzern und flog nach einem Disput aus dem Hostel. Ein Tag später folgten die anderen beiden. Da haben wir wohl kurz das Hostel hochgehen lassen.
Für Joni war das auch nicht weiter schlimm, da er sowieso am darauffolgenden Tag nach Adelaide fahren wollte. So hatte er den Donnerstag frei und konnte Flüge buchen, Hostels reservieren und und und.
Da ich nicht in den Kreis der Verdächtigen gezogen wurden, obwohl ich auch gebrudelt habe, durfte ich eine positive Arbeitserfahrung machen. Endlich.
Mit Florian, einen Deutschen aus Würzburg und Thomas, ein sehr sympathischer Franzosen, ging es um 5:30 morgens aufs Feld. Beim ersten Farmer mussten wir Kürbisse ernten und bekamen von ihm als Dank Wasser- und Honigmelonen für den Rest des Tages geschenkt und am Abend natürlich das Geld. Den verbrachten wir dann bei Daniel, ein sehr netter Farmer mit indischen Wurzeln. Wir bekamen Sandwiches und Kaffee und er hatte steht's Zeit für eine kurze Unterhaltung. Beim Ernten der Pfirsiche kam man sich vor wie im Paradies. Normalerweise, wenn man sie im Laden kauft, isst man jeden einzelnen und schätzt jeden. Hier aber sieht man einen besonders Leckeren am Baum, beißt zweimal rein und lässt ihn fallen oder man nimmt sich zwei mit auf den Weg zur Palette, probiert den einen, dann den anderen und wirft den schlechteren weg. Herrlich.
Eine weitere nette Unterhaltung hatte ich noch mit einem anderen Farmer über die Erntearbeit, die Lebensmittelpreise und die Entwicklung. Wir kannten uns beide auf dem Gebiet aus und hatten die selben Meinungen, was die Konversation deutlich angestoßen hat.
Wie bereits erwähnt ist Joni bereits Freitags Morgen nach Adelaide gefahren, um sich die Stadt anzuschauen. Nach über drei Monaten sollten wir uns mal mehrere Tage nicht sehen, da ich noch bis Montag arbeiten wollte. Wollte, denn leider gab es bis dahin nichts mehr, weil Feiertag war und so checkte ich auch schon am Samstag mit der Annahme, dass ein Bus fährt, aus der Harvest Trail Lodge aus. Natürlich war dem nicht so und ich musste meinen Plan des Trampens über 300 km durchziehen.
Inzwischen habe ich festgestellt, dass man so die nettesten Begegnungen mit Australiern macht, außer wenn man zum Frühstück eingeladen wird.
Mit Tara und ihrem Hund Roxy auf der Rückbank ging es für mich nach Adelaide. Sie ist Grundschullehrerin in Loxton, ihre Familie lebt in Adelaide und sie kommt sie über das Wochenende besuchen. Auch bei ihr bewahrheitet sich unsere Feststellung, dass Leute, die selbst gereist sind, anderen bevorzugt helfen. Sie war mit ihrem Freund schon in den USA, in Südamerika und mehrmals in Europa, mitunter auf dem Oktoberfest, was für viel Gesprächsstoff gesorgt hat. Außerdem kennt sie sich jetzt mit ein paar klassischen Oktoberfest Sätzen aus :). Am allermeisten hat mir Hund Roxy gefallen. Sie war sofort zutraulich und verpflichtete mich quasi dazu, sie zu graulen, da sie immer wieder mit ihrer Schnauze nach vorne kam und sie unter meinen Arm steckte. Ein absolut liebenswertes Tier. Das Highlight war der kurze Spaziergang mit ihr bei einer schnellen Pause.
Nach drei Stunden war ich also in Adelaide angekommen und froh wieder in einer Großstadt mit mehr Menschen zu sein. Im Hostel traf ich dann auch direkt Joni wieder. Wir haben uns also doch keinen ganzen Tag nicht gesehen. Allerdings hat er sich das 10er Zimmer, in dem Greg auch zufällig war, ausgesucht, während ich das gemütliche 20er Zimmer präferierte.
Nachdem ich kurz meine sieben Sachen ausgepackt hatte, gingen wir in die Innenstadt und Joni, der sich ja schon auskannte, zeigte mir alles sehenswerte. Die Stadt gefällt uns beiden sehr gut, da es eine überschaubare Großstadt ist mit vielen Grünflächen und einer modernen Innenstadt. Außerdem finden im Moment drei Festivals statt, weswegen auf den Straßen zahlreiche Musiker, Artisten und Magier anzutreffen waren und jede Menge gut gelaunter Menschen unterwegs waren.
Im sehr schön und gemütlich gestalteten Botanischen Garten, der mich ein wenig an der schönen Retiro in Madrid erinnerte, schlenderten wir durch die Rosen- und Kakteengärten und legten uns nicht für "20 Minuten auf'd Couch" sondern auf Bänke, denn "der Typ war fertig".
Am Abend war ich mit Greg in der Hostelbar zum Goon trinken verabredet. Goon ist billigster Wein im 4 Liter Tetrapack für 10$. Der Abend mit ihn war sehr lustig und vorallem gut für mein Englisch. Im Verlauf haben wir uns irgendwann verloren, Joni war schon im Bett und ich landete in einem Partyzelt auf einem der Festivals und feierte mit einem Studenten, den ich kurz zuvor in der Fußgängerzone kennengelernt hatte.
Am nächsten Morgen begegnete ich Joni beim Frühstück. Er war schon bei den Toasts 10 - 12, da es im Hostel Toasts und Marmelade umsonst gab. Sechs weitere sollten noch folgen. Er hatte sich im Voraus schon die restlichen Nächte im YHA gebucht, weshalb er umziehen musste und ich in der Zeit meine Kleidung nach über einem Monat mal wieder mit der Maschine gewaschen habe. Am Nachmittag fuhren wir in das etwas außerhalb gelegene Glenelg. Es hat ein wenig dem Charme von Manly. Hier gibt es auch einen tollen Strand und eine schön gestaltete Einkaufstraße, in der leider auch Autos verkehren. An der Promenade führt ein Steg hinaus aufs Meer. Hier springen Jung und Alt aus allen möglichen Positionen und Lagen ins Wasser und es hat Spaß gemacht ihnen zuzusehen und ihre Leistung, die meist mittelmäßig bis schlecht war, zu bewerten. Hätten wir Badesachen dabei gehabt, hätten wir den Jungs mal gezeigt, wo der Hammer hängt. Spaß.
Anschließend trafen wir uns bei mir im Hostel zum Kochen, schauten noch die aktuellen Charts im TV und gingen ein wenig auf die Straße. Hier haben wir miterlebt wie ein Mann, offenbar unter Einfluss von Drogen, eine anderen verprügeln wollte. Dieser ergriff mit seiner Frau nach der Überraschungsattacke und ein paar Fausthieben die Flucht. Natürlich folgte der aufgebrachte andere den beiden. Mitten auf der vierspurigen Straße kam es zum finalen Showdown. Er nahm nochmal Anlauf, die beiden gingen zu Boden, die Frau stürzte sich auf den Verrückten und versuchte ihn zurückzuhalten, kassierte dabei aber auch ordentlich. Währenddessen versperrten sie schon zahlreichen Autos die Weiterfahrt und ein Asiate war dabei die Streithähne auseinander zu bringen. Es gelang ihm und die beiden Parteien gingen auseinander. Verrücktes Großstadtleben. Viel mehr ereignete sich an dem Abend nicht mehr und wir gingen beide in unsere Hostels.
Joni kam am nächsten Morgen verbotenerweise zu mir zum Frühstücken, obwohl er gar kein Gast des Hauses mehr ist. Das kümmert beim Personal aber niemanden groß. In der Zwischenzeit hatte ich wieder den Fernseher erobert und schaute FA-Cup, Manchester United gegen Chelsea.
Für den Vormittag hatte ich einen Friseurtermin...bei Joni. Im Supermarkt habe ich mir einen günstigen Haarschneider, der nicht funktionierte, gekauft. Der zweite, das Billigmodell der anderen Marke, funktionierte und Joni durfte Hand anlegen. Geschnitten hat er auch echt gut, leider habe ich ihm den Auftrag erteilt, die Aufsätze, die speziell für die Ohren sind und leider gar nicht zu meiner restlichen Länge gepasst haben, zu verwenden. Das Resultat möchte ich euch nicht präsentieren. Die Reinigungskraft, die nur Minuten zuvor das Bad geputzt hatte, war auch so gar nicht davon begeistert, dass wir an meinen Haaren rumspielten und den Boden wieder dreckig machten.
Den Rest des Tages verbrachten wir wieder an unserem Lieblingsort, dem botanischen Garten mit einer Familienpackung Keksen und 2 Litern Kakao besprachen wir alle wichtigen Details für den anschließenden dritten Reiseteil.
Am Abend habe ich noch mit meinem Reisebüro telefoniert und meinen Rückflug gebucht. Es ist also offiziell, dass Joni am 22. April und ich am 22. Mai wieder deutschen Boden betreten werde.
Nach einem kurzen Pancake Frühstück imYHA machten wir uns morgens auf den Weg zu Wicked, um unserem lange entgegen gefieberten Van abzuholen. Es war ein tolles Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit wieder über die Straßen zu Fahren und wissen, dass man die nächsten zwei Wochen wieder im Auto mit all seinen Sachen wohnt.
Achja, für die, die es nicht wissen: Unsere Route führt und mit einigen Zwischenstopps zum Uluru, diesem roten Felsen, und den Kings Canyon und wieder zurück nach Adelaide.
Das heißt also, wenn man mal einen Blick auf Google Maps wirft, viele Kilometer durch verlassene Landschaften auf einsamen kilometerlangen geraden Straßen. Entsprechend groß viel auch unser Einkauf aus, da wir für die nächsten zwei Wochen ausgesorgt haben wollten. Nach zwei Supermärkten hatten wir 60 Liter Wasser, 6 Liter Milch und Orangensaft, 4 kg Nudeln, 2 kg Reis, 6 Packungen Müsli, 6 Dosen Bohnen .... eingekauft.
Unser erster Zwischenstopp war das Barossa Valley. Es ist für seinen köstlichen Wein bekannt, da das Klima dort sehr gute Bedingungen für eine gute Weinlese bietet. Man kann gar sagen, dass es der beste Wein Australiens ist, zumindest von dem was man liest, probiert haben wir selbst nicht. Obwohl es mit 42 Grad unglaublich heiß war, schlurften wir durch die Straßen von Tanunda. Leider hatten scheinbar auch die Ladenbesitzer keine Lust bei der Hitze zu arbeiten und so waren die meisten Geschäfte geschlossen. Wir fuhren weiter zu einem Look Out. Es bot sich ein Blick über das schöne Barossa. Wir hatten es uns beide zwar etwas anders vorgestellt. Wir hofften darauf, dass es sich wirklich um ein Tal handelt und nicht um eine hügelige Landschaft und besonders ich hatte mir deutlich mehr Grün erhofft, was aber aufgrund der Hitze verständlich war.
Im nächsten Ort konnten wir dann, wenn es schon kein Wein gab, Käse, getrocknete Früchte, Cashew Nüsse und Nougat kosten.
Auf dem Weg zurück zum Meer fuhren wir noch über zahlreiche sehr schöne Straßen und es bot sich stets ein toller Blick auf eine herrliche Landschaft. In einem Ort eindeckten wir wiedermal einen Panzer, was bei uns jedes mal zu Verwunderung führt, wieso man einfach einen Panzer im Ortskern ausstellt. Am Meer fanden wir in Port Wallero unser erstes Quartier für die Nacht mit dem "neuen" Van. Dieser ist von der Ausstattung zwar etwas besser als der erste, dafür konnte dieser aber mit seiner Optik mehr überzeugen (siehe Fotos).
Wir hielten uns auch am nächsten Morgen erstmal an der Küste und fuhren bis Port Angusta. Der Ort konnte sich hauptsächlich durch seine neu gestaltete Uferpromenade und die begrünte Hauptstraße ins Gedächtnis einbrennen, wobei es nichts sonderlich außergewöhnliches war. Jedoch war es vorerst der letzte Stopp am Meer für die nächsten zwei Tage, denn anschließend ging es los zum Flinders Ranges Nationalpark.
Auf dem Weg zur ersten kleineren Stadt wurde die Landschaft schon immer tristerer und der Horizont immer weiter. Es bildeten sich immer wieder große Windhosen neben der Straße, die die für Australien so typische rote Erde aufwirbelten und durch die Luft trugen. Bei einer historischen Schaaffarm, es standen lediglich noch ein paar alte Gemäuer, starteten wir einen kurzen Marsch zu einem Wasserloch. Selbstverständlich waren wir topp ausgestattet: Jonas ohne Kopfbedeckung, ich mit, dafür ohne Shirt und mit Flip Flops. Da es nur 3 km waren, war dies aber kein Problem. Am meisten haben da schon die Fliegen gestört und es wird Zeit, dass wir unsere Netze wieder auspacken. Das Wasserloch hatte, entgegen unserer Erwartungen, tatsächlich Wasser, was erstaunlich war, da es kein Grün in der Umgebung gab und jegliche Flussbetten trocken lagen. In Hawker haben wir dann zum vierten mal an diesem Tag getankt, da man im Outback nie wissen kann, wann die nächste Tankstelle kommt und wir lieber einmal mehr Tanken, als im nirgendwo zu stehen. Auf dem Weg nach Wilpena , unserem Abendquartier hielten wir noch am Elder Range und am Rawnsley Look Out. Hier deuteten sich schon die spektakulären Berge und Bergkämme an, die wir hoffentlich morgen besteigen werden. Wir werden uns auf eine 23km lange Tagestour begeben und hoffentlich viel vom Nationalpark sehen. Ihr hört von uns, sollten wir lebend wiederkommen ;)






Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen