Wir haben unseren Fluch, den Fluch, dass wir nicht aus Melbourne raus kommen, überwunden. Nein, wir sind nicht in Shepparton.
Nach einer Zugfahrt, bei der wir über zwei Stunden einem Mann gegenüber saßen, der nicht still sein konnte und nicht aufhören konnte zu essen, waren wir dort. Irgendwo im Nirgendwo, Plan- und Orientierungslos. Von den Damen in der Tourist Information wurden wir zum Harvest Labour Office geschickt, wo uns gesagt wurde, dass wir ohne eigenes Auto sehr schlechte Karten haben, schade. Zum Glück hatten wir noch die Nummer eines gewissen Stuart, die ich von unseren Kollegen von Facebook bekommen hatte. Stuart sagte am Telefon, er holt uns in einer dreiviertel Stunde ab und hätte Arbeit für uns. Nach geraumer Zeit kam er dann. Eine kurze Fahrt, während der er uns alle Details erzählte, dann sollten wir uns überlegen, ob wir mit ihm kooperieren wollen. Wir entschieden uns dagegen, denn wir sollten eine Kaution von 200$ zahlen, für die Unterkunft pro Woche 160$ und er hat nur für einen ab dem nächsten Tag Arbeit gehabt, für den anderen erst "in ein paar Tagen". Außerdem kam noch hinzu, dass in seinen Bus nur Asiaten einstiegen, die nicht wirklich Englisch konnten und nicht in der Lage waren, mir zu erzählen, wie so das Arbeiten bei ihm ist. Das alles klang uns, vorallem da wir schon zahlreiche Geschichten von Abzockern beim Fruitpicking gehört hatten, zu unseriös. Leider gab es keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr, die um die späte Uhrzeit noch nach Melbourne zurück fahren. Denkste, es fahren genug Leute dorthin und man muss nur den Daumen raus strecken. Nach 10 Minuten und zwei trockenen Scheiben Toast saßen wir bei Ross im Auto. Er kommt von seiner Arbeitsstelle, war zwischendurch bei KFC und genoss seinen Wrap sichtlich. Dass man mit vollem Mund nicht redet, hat ihn scheinbar niemand beigebracht, aber immerhin hat er uns seine Pommes gegeben, doppeltes Glück! Weniger Glück hatten wir mit der Drop Off Location, der äußersten Bahnstation. So einfach wollten wir es nicht haben, also wieder zurück zum Highway laufen und auf eine neue Mitfahrgelegenheit warten. Als kleine Randnotiz sei zu erwähnen, dass wir den ganzen Tag mit unserem kompletten Gepäck unterwegs waren.
Nach wenigen Minuten hielt Ali Baba. Seinen Namen hat uns der Moslem nicht verraten, sympathisch war er trotzdem und er hat uns zwei Bahnstationen weiter gebracht.
Alle guten Dinge sind drei, also nochmal der Versuch jemanden zu finden, der uns bis ins Zentrum bringt. Da kam Jake Turner ins Spiel. Für mich der sympathischste und lustigste Kontakt bis dahin. Er ist 20 Jahre alt, kommt aus der Gegend von Shepparton und ist so, wie ich mir einen "Local" in unserem Alter vorstelle: Locker, lustig, Nett, redet viel mit einer ordentlichen Portion Slang und benutzt in jedem Satz entweder "Weird" oder noch lieber "fuckin". Es war eine echt amüsante Fahrt bis in die Stadt. Er hatte den meisten Spaß dabei mich auszulachen, da ich bei "Visa" das V falsch ausgesprochen habe.
Da standen wir nun, wieder "back in Melbourne" und mussten wieder in unser geliebtes Nomads Hostel zurück.
Weil wir an diesem Tag schon so viele nette Leute kennengelernt hatten, sollte es im Hostel gerade so weiter gehen. Zwei Inder, der eine lebt als Koch in Auckland, der andere auf den Fidschis und Daniele. Er ist Italiener, ist erst an dem Tag in Australien angekommen und spricht katastrophales Englisch, wahrscheinlich ein Grund wieso er gekommen ist. Witzig war er trotzdem, vorallem der Antwort auf die Frage, ob er zu Hause kocht: "it's a hobby, at home I cook for my family Pasta e Lasagne!" Dabei hat er letzteres in seiner Muttersprache gesagt. Die Mischung aus miserablem Englisch und dem schönen und perfekten Italienisch hat sich einfach wunderbar unterhaltsam angehört.
Am nächsten Tag wollten wir uns einen Camper mieten, um damit nach Adelaide zu fahren und die Südküste zu bereisen. Wir haben beschlossen, dass wir es dann lieber dort nochmal mit Arbeiten versuchen, anstatt dass wir in Melbourne unsere "kostbare" Zeit verschwenden, um krampfhaft einen Job zu bekommen.
Leider stellte es sich als schwieriger als gedacht raus, da wenige Unternehmen in Adelaide vertreten sind, die auch an Leute unter 21 vermieten. Letztendlich sind wir dann Mittags zu Wicked raus gefahren, um uns bei ihnen einen Camper zu mieten. Dort waren wir schon wieder kurz davor, beim Versuch Melbourne zu verlassen, zu scheitern, denn man muss eine Kaution zahlen, die unser Kartenlimit übersteigt. Nach gescheiterten Telefonaten mit der Bank, zahlreichen Versuchen das Geld einzufrieren ging es doch und wir erhielten unser Prachtstück.
Rein ins Auto und ab auf den vierspurigen Highway raus aus Melbourne. Nach zwei Monaten Fahrpause, Linksverkehr und einem unbekannten Auto hat es kurz gebraucht sich an alles zu gewöhnen, aber nach kurzer Zeit machte es unheimlich Spaß mit dem Auto über die Straßen zu fahren.
Ein kurzer Zwischenstopp zum Einkaufen, dann ging es zum Örtchen Queenscliff. Hier sahen wir uns zuerst einen tollen Strand von einem Look Out aus an, der durch das Sonnenlicht noch toller aussah. Dann ging es weiter zu einen Observation Deck, das leider geschlossen hatte. Also blieb uns nur noch übrig durch die Straßen der Stadt zu schlendern und die vielen historischen Gebäude zu bestaunen.
Zum Abendessen gab es die letzten Eier von der Packung die wir im Hostel gefunden hatten. Für die Nacht suchten wir uns eine ruhige Straße (Alle Straßen waren ruhig, da nichts los ist) und stellten uns vor ein Bed&Breakfast, die beste Entscheidung seit langem. Am nächsten Morgen sprach uns ein Mann an und wir führten einen kurzen Small Talk. Als er seine Zeitung geholt hatte, fragte er uns, ob wir bei ihnen Duschen wollen. Da sagen wir natürlich nicht nein. Er stellte uns sich als Lloyd vor, seine Frau später als Sue. Die Duschen waren ein Traum. Heißes Wasser, nicht nur ein paar Tropfen, sondern viel Wasser und das Beste: meine Dusche hatte eine Heißluftheizung und es kam durchgehend warme Luft von oben herunter :) Das Glück war scheinbar auf unserer Seite, denn wir durften auch noch mit ihnen Frühstücken. Es war ein weiterer Traum. Es gab fünf Sorten Müsli, Orangensaft, Tee, Kaffee, Toast dazu Marmelade, Honig und Vegemite. Besonders letzteres wird Joni nicht so schnell vergessen. Es handelt sich dabei um eine "Spezialität" von hier. Wie es genau schmeckt weiß ich nicht, denn Joni durfte es probieren. Dabei meinte er später, sei ihn so übel geworden, dass es ihm "den ganzen Magen verdreht hat". Es soll wohl wie Maggie Suppenwürfel mit Essig Geschmack schmecken und normalerweise macht man eine ganz dünne Schicht auf einen Toast mit ganz viel Butter und isst nicht einfach einen ganzen Löffel.
Nichts desto trotz war es toll die beiden kennenzulernen. Beim Frühstück unterhielten wir uns viel über Australien, unsere Route, die Bildung in Deutschland, da ihre Tochter dort ein Jahr war, Wirtschaft, die Geschichte Deutschlands und über Europa. Die beiden waren schon ein paar mal dort , unter anderem in Heidelberg, München und Prag.
Unser Weg führte uns weiter zum Point Lonsdale Lighthouse. Er steht an der Meerenge, die zur großen Bucht vor Melbourne führt. Sie gilt heute als eine der gefährlichsten, da sie nur 3,4 km breit ist. Als wir dort waren, fuhr auch gerade ein Schiff durch, jedoch war es wesentlich unspektakulärer als erhofft.
Von dort ging es weiter nach Baron Heads. Durch das kleine Dorf fließt ein großer Fluss. Dort haben wir eine kurze und nette Unterhaltung mit einem lokalen Fischer geführt, der wirklich einen "Good catch" gemacht hatte.
Beim nächsten Look Out, der mit einem tollen Blick über den 14th Beach und das Meer brillierte, sahen wir zwei Ranger, die mit Karottenstücken Kaninchen füttern oder vergiften wollten, wir sind nicht wirklich dahinter gekommen. Auf Grund der hohen Populationen nehmen wir aber an, das sie eher letzteres vor hatte.
Torquay, unser nächster Halt, ist die Heimat von Quicksilver, Roxy und Rip Curl und somit eine der bekanntesten Surf Städte. Vor dem Surf Museum machten wir als erstes halt. Dort sind auch alle eben genannten Marken mit ihren Shops vertreten. Wir als fachkundige Kenner der Szene konnten es natürlich nicht dabei belassen alle Shops nur von außen zu sehen, gekauft wurde aber nichts. Anschließend fuhren wir vor ans Meer, da wir jetzt natürlich die richtigen Surfer Dudes beim Wellenreiten sehen wollten. Nichts da, keine Dudes, kein Surf, nur zahlreiche Anfänger und Halbprofis. Also schnell weiter zum Bells Beach, einen weiteren exzellenten Surfstrand mit tollen Wellen und ein paar von den Dudes. Es war ein Genuss, wie einer von ihnen eine Welle Minuten lang entlang ritt. Auf der Strecke gab es viele weitere Stellen, die dazu einluden, einfach mal anzuhalten und aufs Meer raus zusehen, die Surfer zu beobachten und die herrliche Küste zu bestaunen. Leider sah sie nach einiger Zeit immer sehr ähnlich aus.
Am Point Addis Look Out konnte man zu einem sehr schönen Strand, Red Beach, herabsteigen, an dem außer uns niemand war. Sein Name kommt vermutlich von den Felswänden aus rotem Gestein, die sich entlang des Strandes erheben.
Von dort aus haben wir auch den kurzen Cultural Walk zu einen weiteren tollen Aussichtspunkt gemacht, bei dem man Informationen über Kräuter und Pflanzen, die Verwendung bei den Ureinwohnern fanden, bekam.
In Anglesea haben wir erstmal vergeblich nach einem Topf gesucht, da Wicked uns nur mit einem zu kleinen, der sehr verrostet ist, ausgestattet hat.
Der Golfplatz von Angelsea ist berühmt. Nein, nicht wegen seiner Größe, seiner Variabilität oder einer berühmten Person, sondern weil "Tausende" Kängurus dort leben und auf dem Golfplatz tagtäglich grasen und unter den Bäumen liegen. So etwas verrücktes konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen, doch leider ist für "kangaroo visitors" wie uns ein Verbotsschild angebracht und mit unserem bunten Van sind wir unter den elitären Golfern auch direkt als solche enttarnt worden. Immerhin konnten wir die vielen Kängurus vom Zaun sehen und sie standen in der Nacht, als wir einen Schlafplatz gesucht haben, plötzlich noch vor uns auf der Straße.
Viel mehr haben wir von Anglesea nicht mehr gesehen. Von einer Seitenbucht auf einem Hügel konnten wir den Main Beach von oben betrachten und am Point Roadknight Beach unter eiskalten Wasser duschen, bevor wir an den Anglesea River zum kochen fuhren. Unseren Kous Kous mussten wir dann eben in der Pfanne machen, was aber mindestens genauso gut geklappt hat. Zum Schlafen sind wir in die so ziemlich dunkelste und einsamste Straße gefahren, leider kommt hier doch alle paar Minuten ein Auto vorbei. Hoffen wir es ist keine Polizei dabei. Cheers.



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