Mittwoch, 6. Februar 2013

Von Verabschiedungen 2 und Terroristen - Melbourne

Nach ein paar mehr oder weniger aufregenden Tagen melde ich mich wieder. Aus Melbourne!
Die letzten Tage haben wir intensiv damit verbracht, herauszufinden welcher Weg für uns im Moment der beste ist.
Am Sonntag haben wir es erstmal genossen alle ein eigenes Bett zu haben und keinen Wecker, der klingelt, weil man zum Reef aufs Boot muss. So wurde es auch elf oder zwölf bis alle wach, gefrühstückt und fertig waren. Die Mädels sind anschließend auf Shopping-Tour gegangen und nochmal zur Campervermietung, weil sie ihr Shampoo im Camper vergessen hatten. Leider war Sonntag und der Weg war umsonst, da die Vermietung geschlossen hatte. Haha. Wir saßen solange in den verschiedenen Backpackerläden ( TravelBugs, BWS), da man dort umsonst ins Internet kann. Wir haben uns nach Flügen zu allen möglichen Destinationen, Autos an allen möglichen Orten und Jobs in allen möglichen Gegenden erkundigt. Der Erfolg hielt sich in grenzen, aber immerhin konnten wir uns am Nachmittag noch ein Auto ansehen. Die beiden Mädels, welchen das Auto gehörte waren uns von Anfang an unsympathisch und da wir beide wenig Ahnung von Autos haben und eigentlich darauf gehofft hatten, dass Karsten mit uns kommt, dieser aber in irgendeinem Kasino den Tag über verschollen war, war es ein sehr kurzer Besichtigungstermin.
Am Abend waren alle vier zu faul zum Kochen und so sind wir zur Feier des Abschiedes nochmal zusammen Essen gegangen. Die Pizza war okay, ich habe aber schon deutlich bessere gegessen. Umso schöner war es zu sehen wie sich Joni über seine Fish and Chips freute. Vor dem Schlafengehen wurden noch alle unsere restlichen Lebensmittel aufgeteilt, was sich als echte Bestandsprobe gegenüber den Mädels rausstellte, aber wir haben das souverän gelöst.
Am nächsten Morgen ging der Flug von Lucie und Natalie um sieben Uhr nach Adelaide. Der zuvorkommende Rezeptionist hat den beiden auf Halb sechs ein Taxi geordert. Nett wie wir sind, haben wir uns natürlich aus dem Bett gequält, um den beiden "Tschüs" zu sagen. Es ist schon verrückt, dass haben wir vier auch schon am Abend zuvor festgestellt, wie gut wir uns am Ende unserer gemeinsamen Zeit verstehen und wie gut wir befreundet sind, im Anbetracht dessen, dass wir uns erst vor einem Monat, an Neujahr, kennengelernt haben. Um es mit anderen Worten wiederzugeben: " That's Australia, man!"
Es war eine schöne Zeit mit euch, trotzdem freuen wir uns jetzt auf eigene Faust loszuziehen. Wir werden euch nicht vermissen! Außer vielleicht, dass wir niemanden mehr zum Beleidigen haben! ;)
Also waren wir nach zwei Monaten quasi zum ersten mal wirklich zu zweit "unterwegs" und es fühlte sich gut an, da wir direkt unser 4er Zimmer für uns alleine behalten dürften. Welch ein Luxus und das für 19$ pro Nacht!
Montag Vormittag sind wir dann wieder ins Netz gegangen, haben uns nochmal mit den Mädels vom Vortag verabredet und sind auf einen weiteren Wagen aufmerksam geworden.
Am Mittag haben wir uns eine Erfrischung in der Lagune gegönnt. Die Lagunen sind ein künstlich angelegter Schwimmbereich direkt am Meer und der, direkt am Meer liegenden Esplanade. Hier gibt es zwischen Restaurants und Cafés, Touristen Läden und Hostels. Cairns hat mir, entgegen meiner Erwartungen, sehr gut gefallen. Ich dachte es tummeln sich hier Unmengen von Backpackern. Dem war zum Glück nicht so, da dort Nebensaison ist und so waren wir im Hostel ungestört und auf den Straßen war auch nie viel los.
Nachmittags waren wir mit den zwei Mädels des anderen Autos verabredet und nochmals mit denen vom Vortag. Dieses mal hatten wir Karsten an unserer Seite und so konnte er die Autos abchecken und wir lernten zumindest teilweise, wie man ein Auto ungefähr inspizieren sollte, bevor man es kauft. Profil, Öl, Motorgeräusche und Bremsverhalten sind nur einige Punkte, bei denen wir dazu lernten. Besonderst das Auto von den Mädels, die wir vorher noch nicht gesehen hatten, war in sehr guten Zustand und eigentlich seinen stolzen Preis von 3500$ Wert, der aber unser Budget maßlos überspannte. Also eine Nacht drüber schlafen und am nächsten Tag entscheiden. Karsten erzählte uns viel aus seinem Leben, dass er aus Hamburg kommt, früher Volleyball in der Hamburg-Auswahl spielte, über seine Probleme mit der Ausbildung und wie er nach Australien kam. Eine interessante Geschichte, die aus Gründen der Privatsphäre hier nicht niedergeschrieben wird.
Am nächsten Morgen standen Entscheidungen an. Wir waren uns beide im klaren, dass wir das Auto für diesen Preis nicht nehmen und am Abend nach Melbourne fliegen. So, Entscheidung war gefallen, den Mädels Bescheid gegeben, die Wäsche waschen und den Flug buchen. Zumindest fast. Joni bekam seine Mail mit dem Flugticket auch nach einer Stunde nicht. Nach einem mehr oder weniger, sagen wir weniger erfolgreichen Gespräch mit einer der Sprache nicht wirklich mächtigen Philippinerin aus dem Callcenter sollte die Mail eigentlich ankommen. Falsch gedacht, Nervosität macht sich breit, ein bisschen zumindest. Ein weiteres Telefonat folgt. Joni folgt der Taktik eine andere Emailadresse anzugeben und siehe da, es klappt, wir können doch fliegen :)
Nachdem alles abgeklärt war, machten wir uns daran unser Mittagessen zu zaubern. Die restlichen Toastscheiben auf den Grill knusprig zu "toasten", da wir keine Aufstrich mehr hatten. Lecker!
Während unseres "BBQ" bekommen wir eine SMS, dass wir den Wagen für 3000$ haben könnten. Auch das ist uns zuviel, außerdem war der Flug gebucht. Zum Spaß haben wir ihnen geantwortet, dass wir ihn erst für 2500$ nehmen. Wenige Minuten später ein okay! Nach einem kurzen Treffen stellte sich heraus, dass sie "nur" von 3000$ redeten, selbst das ist ein super Angebot, dass wir nicht annehmen.
Anschließend mussten wir unser Gepäck im Hostel abholen, da wir rechtzeitig Richtung Flughafen aufbrechen wollten, um die 22$ fürs Taxi zu sparen und zu trampen. Gesagt getan, nach kurzen aber anstrengenden Fußweg zum Highway hieß es Daumen raus und warten und immer schon Lächeln :).
Die Minuten vergehen, Tausende, unendlich große Jeeps mit nur einer Person am Steuer heizten vorbei. Nach 20 Minuten: Einer dieser Jeeps hält an. Steve lebt in Cairns, total sympathisch, müsste vom Körperbau und auf Grund des Footballs in seinem Auto Footballer sein und ungefähr Ende Zwanzig.
Gepäck ins Auto, Joni zwischen es, da es keine Rücksitze gab, ich auf den Beifahrersitz. Auf dem Weg zeigt er uns noch die Stelle, wo er und seine Freundin das letzte mal auf dem Weg zum Flughafen ihre Bong aus dem Fenster geworfen hatten. Nach kurzweiliger und sehr amüsanter Fahrt standen wir mitsamt unserem Gepäck vor dem Flughafen, umsonst!
Das nächste Highlight beim Sicherheitscheck: Joni wird von einer Dame nach der Standardkontrolle rausgezogen. Stichproben Untersuchung, ob er Spuren von Sprengstoff mit sich trägt. Wer hätte gedacht, dass unser Joni als potenzieller Terrorist gehandelt wird! Vorstellen kann man es sich, solche aussagen wie er manchmal macht :). Natürlich findet sie an ihm und in seiner Tasche nichts und wir dürfen uns die restliche Zeit bis zum Boarding rumschlagen.
Der Flug war die Katastrophe! Zwar hatten wir beim Start nochmal einen tollen Blick auf Cairns und die Umgebung und dazu ein tolles Sonnenlicht, doch spätestens dann fing der Horror an. Er trägt einen Namen, den wir nicht kennen, ist ca. 3-4 Jahre alt und schreit ohne Ende und in fürchterlicher Tonlage, obwohl ca. 98% der Passagiere schlafen möchte. Und die Mutter? Unternimmt nicht viel, gibt irgendwann auf und lässt sie/ihn brüllen. Immerhin weiß ich jetzt, dass ich mein Kind erst mit in ein Flugzeug nehmen werde, wenn ich es unter Kontrolle habe.
An der Gepäckausgabe der nächste unverhoffte Zufall. Ein Mann, den wir mit Karsten im Hostel kennengelernt hatten und von dem wir uns vor ein paar Stunden verabschiedet hatten, stand plötzlich wieder neben uns, in Melbourne. Richard, 44, kommt aus Amsterdam und ist im Moment ein Jahr lang auf Weltreise unterwegs.
Mit ihn zusammen haben wir eine verrückt, fürchterliche Nacht am Flughafen verbracht. Es war Hell, wir lagen auf harten Teppich und genau unter der Klimaanlage, die voll aufgedreht war. Halb erfroren sind wir morgens, nachdem wir zwischendurch schon hundertmal wach waren, aufgestanden und haben uns via Bus auf den Weg nach Melbourne CBD gemacht.
Der Bus hatte sogar den Service, dass er einen direkt zum Hostel bringt, wenn man sagt in welches man geht. Zum Glück kannte Richard sich aus und wir fuhren direkt uns Global Backpackers. Laut einer Empfehlung von ihm soll es sauber, ordentlich und renoviert sein. Naja die Küche ist total verdreckt, jegliches Geschirr liegt rum und eine der zwei Duschen auf unserem Stock ist "Out of Order". Immerhin kamen wir zu dritt in einem 4er Zimmer unter. Mit uns im Zimmer ist noch René. Er ist ungefähr so alt wie wir und hat den unglaublichen Vorteil schon eine abgeschlossene Ausbildung als Koch zu haben. Dadurch bekam er sowohl in Sydney als auch in Melbourne nach ein paar Versuchen einen gut bezahlten Job.
Obwohl wir total Platt von der Nacht waren, sind wir noch einmal durch die Stadt von Melbourne gezogen. Einmal durch die Innenstadt, zur Flindersstation, einem der älteren und damit seltenen Gebäude und über die Southbank in den Olympia Park, wo vor zwei Wochen noch die Australia Open waren und wir uns ärgerten nicht zeitiger dort gewesen zu sein. Von dort aus ging es durch die Royal Botanic Gardens zu einem Denkmal für die Soldaten des zweiten Weltkriegs. Es ist schon verrückt, was für einen riesigen Tempel sie dort hin bauen, obwohl die Australier nicht wirklich viel mit dem zweiten Weltkrieg zu tun hatten. Zwar nicht nichts, aber sie waren nicht Hauptbeteiligte. Es hat den Anschein, dass jeder gefallene Soldat in Australien sein eigenes Denkmal hat, so viele wie hier stehen.
Nach ewigen Weg, wir verbannten beide unter der heißen Sonne, kamen wir in Dockland an. Diese Gegend erinnert an die neue HafenCity von Hamburg. Hier ist nichts los und man ist gerade dabei mit einem Bauprojekt die Gegend moderner zu gestalten und wieder zum Leben erwecken. Bisher gelingt das nicht.
Was hier unten auffällt sind die unglaublich billigen Benzinpreise. Das billigste, was wir heute gesehen haben, waren 1,28$! Das sind umgerechnet ca. 97 Cent!!!
Im Hostel duschten wir uns anschließen noch schnell, da wir mit Claudia zum Abendessen verabredet waren. Sie schlägt sich momentan, ähnlich wie Hans-Ulrich in Brisbane nur hier in Melbourne, mit einem Projekt rum. Wir entschieden uns für Burger und es war definitiv nicht die falsche Wahl. Für mich gab es einen richtig leckeren Veggie-Burger. Danach zeigte sie uns noch ein paar zentrale Stellen hier und wir gingen noch zu Max Brenners Chocolate, wo es alle möglichen sensationellen Sachen rund um Schokolade gibt. Nach einem gemütlichen Schoko-Frappé verabschiedeten wir uns, sie ging ins Hotel, wir uns Hostel.
Gute Nacht!









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