Montag, 11. Februar 2013

Melbourne

Ich melde mich wieder aus dem Zug auf den Weg nach Shepparton, da wir hoffen, dort Arbeit zu finden.
In den letzten Tagen haben wir immer mehr gefallen an Melbourne gefunden, trotz der teuren Übernachtungspreise.
Am Donnerstag wurden wir erstmal aus unserem Zimmer geschmissen. Um kurz vor zehn stand der Hostelbesitzer im Zimmer und verscheuchte uns aus seiner Unterkunft. Danach gingen auch die Wege von Richard und uns auseinander. Er wollte nach Apollo Bay fahren, wir mussten uns eine neue Unterkunft suchen. Wir waren mal wieder "Obdachlos". Leider ist in Melbourne dieser Tage deutlich mehr los als in Cairns und so mussten wir in ein zweier Zimmer ins YHA (Jugendherberge) für stolze 36$ pP.
Am Mittag haben wir uns noch ein paar Ecken angesehen, die wir noch nicht kannten. Unter anderem den Federation Square, der zentrale Treffpunkt, den wir komischerweise am Vortag übersehen hatten. Dort ist auch das Acmi, ein Mediencenter. Hier gibt es eine kostenlose Ausstellung über Tv, Internet und Computer und deren Entwicklung. Außerdem kann man dort umsonst PES, Mario Kart etc. spielen und es gibt Free Wifi.
Vom Federation Square gibt es verschiedene Spaziergänge, mit welchen man die Stadt erkunden kann. Wir hatten uns für einen entschieden, der durch die teuren Einkaufsstraßen führt. Natürlich ließen wir uns auch die Gelegenheit nicht nehmen, eines der nobleren Hotels von innen zu betrachten und im 35 Stockwerk mit Panoramablick über die ganze Stadt unser "Wasser abzuschlagen", um es mal in Kleists Worten zu sagen.
Den Rest des Tages haben wir dann am Federation Square verbracht, um im Internet an Telefonnummern und Kontakte zu kommen, um Arbeit zu finden.
Den darauffolgenden Vormittag bzw. Mittag verbrachten wir, nachdem wir mal wieder umgezogen sind ( Diesmal ein 4er Zimmer) im Casino und auf den Victorian Markets.
Das Crown Casino in Melbourne ist ein unglaublich großer Komplex, der neben dem riesigen Casino auch eine Shoppingmall, zahlreiche Restaurants und ein großes Hotel beinhaltet.
Wir wurden auch zugleich freundlich empfangen und sind jetzt offizielle Mitglieder im Crown Casino mit offizieller Mitgliedskarte.
Als Wilkommensgeschenk hat jeder von uns 5$ zum verzocken bekommen, die wir uns aber aufgrund mangelnder Kenntnisse über jegliche Spiele erstmal aufbewahrten. Das Negative dort war, dass wir einerseits 3$ an den Automaten verspielten und viel zu lange dort waren.
Die Victorian Markets sind eine kulinarische Oase. Schon seit vielen Jahren finden hier Genießer von Käse, Fleisch, Obst, Gemüse und Feinkostspezialitäten immer einen Leckerbissen. Wir waren auch in siebten Himmel, wurden aber schnell von den enormen Preisen wieder zurück geholt. Immerhin durften wir mit allen anderen Sinnen genießen. Joni konnte letztlich auch doch nicht der Versuchung eines Böreks widerstehen. Besonderer oft musste ich auch an meine Mutter denken, die mit Sicherheit den halben Markt leer gekauft hätte, so gut wie ihr normalerweise solche Dinge als Geschenke für andere gefallen :)
Später stand also unser klassisches Nachmittagsprogramm wieder an: Farmer, Working Hostels und Jobagenturen suchen und anrufen. Dies kann ganz schön deprimierend sein, wenn nach 20 Telefonaten nicht einmal die Hoffnung auf einen Job aufkeimt. Auf dem Weg zum Hostel haben wir uns noch die modern gestaltete Uferpromenade entlang des Yarra Rivers angesehen. Dennoch gibt es, was einen Unterschied zu Sydney ausmacht, zahlreiche schöne alte Gebäude, die immer wieder unmittelbar neben den riesigen Wolkenkratzern stehen.
In Melbourne gibt es einen Shuttle Bus für Touristen, der kostenlos einige Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel den botanischen Garten oder das Cricket Stadion anfährt und man dazu Audiokommentare, die Informationen vermitteln, bekommt. Natürlich nutzten wir dieses tolle Angebot und saßen am Samstag erstmal 2 Stunden im Bus und ließen uns durch die Gegend fahren. Mittags und am Abend mussten/waren wir wieder mal am Square. Am Sonntag war Chinese New Year, deswegen gab es am Samstag Abend sogar noch ein kleines Feuerwerk und es war viel los auf den Straßen. Weniger erfreulich war der kurze Wetterumschwung. Die Abende davor war es sowieso schon immer sehr frisch, aber dann kam auch noch Regen dazu. Obwohl wir eigentlich schon gar nicht mehr wissen was das ist...
Der gestrige Sonntag war anfangs von Langeweile und Verzweiflung zwecks der schlechten Jobaussichten geprägt, bekam aber eine umso erfreulichere Wende. Nachdem wir die letzten Tage wirklich intensiv damit verbracht hatten etwas zum Arbeiten zu finden, hatten wir uns schon aufgegeben und geplant, erstmal wieder zu reisen und dann nochmal nach Arbeit zu suchen. Sonst hätten wir noch mehr Zeit, die dann letztlich ungenutzt ist, damit verbracht etwas zu finden.
Aber es gibt ja Facebook, darüber stand ich in Kontakt mit einem anderen Backpacker, der uns gesagt hat, dass die Farm, wo er gerade ist noch nach Leuten sucht. Hoffen wir, dass das immer noch so ist.
Aus Verzweiflung sind wir mittags in ein Museum gegangen, von den wir nicht so genau wissen was ausgestellt wurde. Es gab immerhin ein paar Gemälde, die durchaus gefielen.
Anschließend wussten wir wieder nicht, was wir machen sollten. Wir kannten die Innenstadt und hatten kein Bahnticket, um wo anders hin zu fahren. Doch genau da begann der Erfolg des Tages, da ich für uns Kindertickets zum halben Preis erstehen konnte. Mit ihnen fuhren wir dann nach St. Kilda, laut Hans-Ulrich das Manly Melbourns. In St. Kilda war in dieser Woche das St. Kilda Festival. Es spielten zahlreiche Bands auf verschiedenen Bühnen, es gab unendlich viele Essensstände und Verlaufsstände, Fahrgeschäfte waren aufgebaut und Menschen soweit das Auge reicht.
Nachdem wir uns durch die Menschenmengen zum Strand vorgekämpft hatten, besichtigten wir erst diesen und genossen es, nicht von so vielen Menschen umringt zu sein. Das wird allerdings schnell langweilig, deswegen zurück zum Festival. Hier gab es Wassermelone umsonst. Der Verein, Bund, Religion (Wir wissen nicht was es ist) "Hare Krishna" verteilte sie an die Besucher. Wenn es was umsonst gibt, muss das natürlich ausgenutzt werden. Wir kamen beiden auf locker 20 Stücke Wassermelone. Selbige Leute hatten auch einen Stand, an dem sie vegetarisches und veganes Essen verkauften. Um sein Essen zu bekommen, musste man seine Rechnung zeigen. Wir Füchse hatten natürlich direkt die geniale Idee: Meisterdieb Joni holt sich eine Serviette vom Tresen und nimmt dabei unbemerkt eine liegengebliebene Rechnung mit. Mein Part war es mich unauffällig unter die zahlende Kundschaft zu schleichen und das Essen zu holen.
Ja, es hat geklappt, wir haben drei (!!!) Teller von dem unbeschreiblich leckeren Essen bekommen. Man muss bedenken, dass ein Teller 10$ gekostet hätte. Es gab Reis mit vegetarischen Curry, irgendwelche veganen, frittierten Teigbällchen und eine süße Grießpaste mit Feigen drin. Köstlich ! Mit vollen Magen ging es weiter übers Festival und zum nächsten Stand, an dem man umsonst Eistee bekam. Spätestens jetzt konnte unsere Euphorie keiner mehr bremsen, außer der Magen, der so voll war, dass ich nicht mehr gerade laufen konnte. Nachdem wir noch ein wenig über das Gelände geschlendert sind, ging es zurück ins CBD, da wir noch keine Unterkunft hatten und befürchteten unter der Brücke schlafen zu müssen. Glücklicherweise hatte aber unsere bisherige Unterkunft wieder was frei und wir bekamen doch noch ein Zimmer. Achja, die Nacht davor haben wir in einem 10er Zimmer verbracht. Wir hatten zwar schlimmste Befürchtungen, dass es laut wird, weil es ja Samstag Nacht war, aber scheinbar waren wir mit weniger Feierwütigen im Zimmer. Wir waren die letzten, die ins Bett sind. Irritierend war, dass eine Mädchen, als einzige mit neun Kerlen im Zimmer geschlafen hat. Weniger erfreulich an ihr war, dass sie ihre Sachen über meine und anderen ausbreitete und am Morgen einfach stundenlange in ihren Sachen wühlte. Frauen gehören in diesem Fall in Frauenzimmer!
Gestern Abend mussten wir dann noch, mit dem Wissen, dass wir heute die Stadt verlassen, unseren 5$ Voucher im Casino einlösen. Das tolle daran war es, endlich sagen zu können, dass wir im Casino Roulette gespielt haben und es wirklich Spaß gemacht hat. Weniger gut war unser Gewinn, da wir unsere kompletten 10$ leider verloren. Der Traum, über Nacht zum Millionär zu werden, war also recht schnell beendet. But I'm addicted to the game! In Sydney soll es ein Casino geben, wo man 50$ umsonst bekommt.
Im Moment kehren wir, wie gesagt, Melbourne den Rücken zu und fahren ins Nichts. Ich melde mich wieder, wenn es etwas neues gibt! Bis dann.













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